CO2 für kleine Aquarien

Versuch’s mal mit CO2!“, das ist meistens der beste Rat, dem man jemandem geben kann, dessen Wasserpflanzen nicht richtig wachsen. Im Folgenden werden die unerschiedlichen Methoden zur Kohlenstoff‐Düngung im Aquarium erklärt, dabei wird jeweils besonders auf die Eignung für Nano‐Aquarien eingegangen.

Das Wachstum von Pflanzen hängt, vereinfacht gesagt, von drei Faktoren ab: Licht, Nährstoffe und eben CO2. Dabei richtet sich das Pflanzenwachstum immer nach dem Faktor, von dem zu wenig vorhanden ist. Mangelt es an Licht, kann man so viel düngen, wie man will: Die Pflanzen wachsen deshalb nicht schneller. Umgekehrt führt eine kräftiger Beleuchtung nicht zu schnellerem Pflanzenwachstum, wenn es an Nährstoffen mangelt.

Landpflanzen steht genug CO2 aus der Luft zur Verfügung. Für Pflanzen ist es aber viel schwieriger, im Wasser gelöstes CO2 aufzunehmen. In einem Aquarium ohne dezidierte CO2-Zufuhr ist meistens CO2 der limitierende Faktor für das Pflanzenwachstum. Zum Glück lässt sich einfach und kostengünstig Abhilfe verschaffen. Damit wären wir schon bei der ersten Methode zur CO2-Versorgung, der am wenigsten kostensparenden nämlich:

CO2-Anlagen mit Druckgasflaschen

Solche Systeme sind schon toll: Wenn sie einmal montiert und eingestellt sind, liefern sie sicher und fast wartunsfrei eine wohldosiert Menge an CO2. Die laufenden Kosten sind gering. Auch die die Versorgung von großen Aquarien mit ausreichend CO2 stellt mit solchen Systemen kein Problem dar. Wären da nicht die hohen Anschaffungskosten, wären Druckgas‐Systeme ideal. Leider kann man dafür ohne Mühe mehr Geld ausgeben als für das gesamte restliche Nano‐Aquarium‐Set, Pflanzen und Tiere inklusive.

Die günstigsten CO2-Sets mit Druckminderer, Zugabegerät und Einwegdruckfalschen kosten so um die 90 Euro. Anlagen mit wiederbefüllbaren Mehrwegflaschen fangen bei rund 140 Euro an. Die meisten dieser Anlagen sind leistungsfähiger, als es für ein Nano‐Aquarium nötig wäre. Wir suchen also ein Alternative.


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Anlagen mit Druckgas sind die Königsklasse unter den CO2-Systemen. In diesem Rundum‐Sorglos‐Paket von Dennerle* sind auch eine Nachtabschaltung und ein Dauertest enthalten.

CO2 aus Sprühdosen

Diese praktischen und kostengünstigen CO2-Systeme werden leider nur von wenigen Herstellern angeboten. Das CO2 befindet sich dabei in einer Sprühdose, wie man sie von Deos oder Haarspray kennt. Es wird nicht kontinuierlich ans Wasser abgegeben, sondern portionsweise durch Druck auf den Sprühknopf in einen Reaktor gefüllt, in dem es sich anschließend im Wasser lösen kann. Dieser Reaktor ist im einfachsten Fall eine sogenannte Paffrathschale, also eine untergetauchte, umgedrehte Schale.


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Beim günstigen Sprühdosen‐System CO2‐Optimat* von Tetra muss man das CO2‐Depot im Wasser einmal täglich manuell auffüllen.

Das Plant Growth System 60* von Tropica funktioniert nach dem gleichen Prinzip und bewegt sich auch preislich auf einem ähnlichen Niveau.


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Sprühflaschen sind eine einfache Methode der CO2-Düngung, die kostengünstig in der Anschaffung ist. Auch die laufenden Kosten halten sich in Grenzen, da man mit einer Sprühdose relativ lange auskommt. Um die Kosten weiter zu senken, könnte man eventuell CO2 aus Kapseln mit CO2-Pumpen für Fahrräder verwenden. Das ist aber bis jetzt unerforschtes Gebiet – es ist nicht bekannt, ob das schon einmal erfolgreich versucht wurde.

Bio‐CO2

So wird in der Aquaristik ein Verfahren genannt, um CO2 mittels Hefegärung herzustellen. Es ist eine bewährte und simple Methode, die seit vielen Jahren erfolgreich von Aquarianern auf der ganzen Welt praktiziert wird. Von diversen Herstellern werden Fertigsets dafür angeboten, die preislich bei etwa 10 Euro starten. Natürlich kann man sich die Hefegärungs‐Anlage auch selber basteln, aber dafür braucht man zumindest Silikon* und einen CO2-Schlauch*. Falls man das nicht sowieso zu Hause hat, lohnt sich die Anschaffung angesichts der günstigen Preise der Fertigsets eigentlich nicht.

Was man aber sehr wohl selber machen sollte, ist die Gärlösung. Dafür braucht man nämlich nur die überaus günstigen Zutaten Hefe, Zucker und Wasser – zusammenschütten, umrühren, fertig! Der Aufwand ist gering, die Preisersparnis im Vergleich zu den Nachfüllflaschen der Hersteller beträchtlich.

Bio‐CO2 ist eine simple und kostengünstige Methode, den Wasserpflanzen Kohlendioxid zur Verfügung zu stellen. Dagegen spricht vielleicht, dass eine Flasche mit schäumender Gärlösung hinter dem Aquarium nicht jedermanns Sache ist. Außerdem ist die Hefegärung als biologischer Prozess nicht immer hundertprozentig kontrollierbar. Die CO2-Zufuhr lässt sich damit nicht so exakt steuern wie mit anderen Methoden. Und bei der falschen Temperatur läuft die Gärung zu langsam ab oder so schnell, dass die Gärlösung überschäumt und ins Aquarium fließt. Gegen letzteres Ungemach kann man sich allerdings durch ein Rückschlagventil* oder eine Waschflasche schützen.

Das Video zeigt die Verwendung des JBL ProFlora 80* Bio‐Co2-Systems.


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Bei Bio‐CO2‐Systemen hat man die Qual der Wahl. Empehlenswert ist dieses durchdachte Set von JBL*. Es bringt nicht nur einen druckfesten und einfach zu reinigenden Gärbehälter mit, sondern auch ein Rückschlagventil und einen eleganten Glasdiffusor.

CO2 aus Backpulver

Es ist die selbe Reaktion, die bei Brausetabletten zum Einsatz kommt. Backpulver reagiert mit Säure und setzt dabei CO2 frei. Diese Reaktion wird auf zwei verschiedene Arten für die Aquaristik nutzbar gemacht. Zum einen kann man online Geräte aus Fernost erwerben, die ähnlich wie Bio‐CO2-Anlagen funktionieren. Die Backpulverreaktion erfolgt außerhalb des Aquariums, meistens in umfunktionierten Getränkeflaschen. Das CO2 wird über Schläuche zu einem Zugaberät geleitet, mit dessen Hilfe es sich im Wasser löst. Diese Methode ist fast so günstig wie Bio‐CO2 und fast so steuerbar wie CO2 aus Druckgasflaschen, sie vereint die Vorteile beider Welten.

Und dann gibt es noch die CO2-Tabletten diverser Hersteller, bei denen die Reaktion direkt im Aquarium erfolgt. Die besseren werden mit Geräten geliefert, die das entstandene CO2 auffangen und langsam im Wasser lösen, wie etwa der CO2-Reaktor von Sera* oder der Söchting Carbonator*. Dass sind Produkte, die sich gut verkaufen lassen, weil sie ohne komplizierte Technik auskommen und den Anwender nicht überfordern. Sonst haben sie aber kaum Vorteile. Das Verbrauchsmaterial kommt auf Dauer teuer und die CO2-Zufuhr lässt sich nur schlecht dosieren. Ein Reaktionsbehälter wie einer im Set von Sera enthalten ist, verbessert zwar die Effizienz, fällt aber gerade im Nanoaquarium als großes, unschönes Stück Kunststoff auf.


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Dieses günstige Set* zur Herstellung von Kohlendioxid aus Backpulver und Säure wird einfach auf Getränkeflaschen aufgeschraubt.

Flüssiger Kohlenstoffdünger

Von einigen Herstellern wird flüssiger Kohlenstoffdünger verkauft. Ein bekanntes Produkt ist EasyCarbo* der Firma Easy Life. Die Werbung verspricht „CO2 in einer Flasche“, doch die Realität sieht anders aus: Der Wirkstoff von EasyCarbo ist Glutaraldehyd, einem Biozid, das unter anderem auf auf Algen giftig wirkt. Tatsächlich entsteht beim mikrobiellen Abbau von Glutaraldehydenteht für Pflanzen verwerterbarer Kohlenstoff – darum kann die Substanz mit gewisser Berechtigung als Kohlenstoffdünger verkauft werden.

Einerseits versorgt flüssige Kohlenstoffdünger also die Wasserpflanzen mit Kohlenstoff und wirkt zudem gegen Algen. So weit, so gut. Andererseits kippt man sich damit einen Stoff ins Wasser, der auch als Desinfektionsmittel, Gerbstoff und Einbalsamierungsflüssigkeit zur Anwendung kommt. Glutaraldehyd wirkt zwar schon in geringsten Mengen auf Algen giftig, ist aber auch für andere Kleistlebewesen schädlich und verursacht auch bei Menschen Reizungen der Schleimhäute sowie Benommenheit und Schwindel.


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Flüssiger Kohlenstoffdünger* funktioniert zwar, aber man kann ihn auf Grund seiner potentiellen Giftigkeit nicht wirklich empfehlen.

Fazit

Für wen Geld weniger eine Rolle spielt, etwa weil er sowieso genug davon hat oder weil er um jeden Preis diesen Aquascaping‐Wettbewerb gewinnen will, der kann sich auch für ein Nano‐Aquarium eine CO2-Anlage mit Druckgas zulegen. Sie bietet maximalen Komfort bei minimalem Kopfzerbrechen. Für alle Übrigen gibt es sinnvolle Alternativen.

Die diversen Bio‐CO2-Systeme beweisen, dass Geld kein Grund sein muss, um auf die Vorteile von CO2-Düngung zu verzichten. Der bescheidene Hefepilz, der sich dem Menschen quer durch die Kulturgeschichte als dienstbarer Geist beim Brotbacken und Bierbrauen angedient hat hat, beweist hierbei einmal mehr seine Nützlichkeit. Vor allem, wenn man sich die Gärlösung selbst anmischt, sind die Kosten von Bio‐CO2 vernachlässigbar.

Sprühdosen und CO2 aus Backpulver sind selten angewandte, aber überraschend taugliche Methoden zur CO2-Versorgung von Nano‐Aquarien. Beide sind relativ einfach in der Handhabung. Systeme mit Backpulver und Säure haben etwas höhere Anschaffungskosten, dafür sind die Verbrauchsmaterialen unschlagbar billig. Sprühflaschen kosten ein wenig mehr, allerdings halten sich die Kosten bei den geringen Verbrauchsmengen in Nano‐Aquarien stark in Grenzen.

Die eher untauglichen Lösungen sind CO2-Tabletten und flüssiger Kohlenstoffdünger. Während Tabletten einfach keine Vorteile im Vergleich zu anderen Methoden der CO2-Versorgung haben, hat flüssiger Kohlenstoffdünger das Potential, durch seine Giftigkeit sogar mehr zu schaden als zu nützen.

Und dann wäre noch Idee mit den CO2-Pumpen* für Fahrräder. Wenn das mal jemand ausprobiert und einen Artikel darüber schreibt, hätte das doch Potential, zu einem neuen Trend zu werden. Der nächste Hamburger Mattenfilter! Oder?

 

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